Sunbirds
Die Autorin erzählt die bewegende Geschichte von Anne, deren Sohn Torran vor sieben Jahren in einem entlegenen Bergdorf im Himalaya verschwand. Sie gab ihr bisheriges Leben in Schottland auf, um dort auf seine Rückkehr zu hoffen. Als ihre Nichte
Esther, mittlerweile Journalistin, Hinweise auf Torrans Aufenthalt erhält, reisen die beiden Frauen gemeinsam in die abgelegenen Täler des Himalayas. Die Suche nach Torran entwickelt sich dabei zur Reise zu sich selbst. Ein zentrales Thema ist Mutterschaft, alte Konflikte und Schuldgefühle, vor allem in Bezug auf Mütter- und Nichtenrolle, das tiefe Einblicke in die psychologische Beziehung zwischen Mutter und Nichte gewährt. Die atmosphärische Schilderung der Landschaft des Himalayas spiegelt innere Grenzerfahrungen wider: majestätisch, aber auch unbarmherzig. Die Autorin nutzt die Abwesenheit Torrans als Spiegel der unerfüllten Erwartungen. Penelope Slocombe schreibt sehr einfühlsam, punktuell poetisch, mit einer ruhigen Klarheit. Wortwahl und Satzbau erzeugen eine introspektive Atmosphäre, ohne sich in sentimentaler Schwere zu verlieren. Geradlinig, klar fokussierter, tief berührender Roman über Verlust, Familie und persönliches Erwachen mit eher offenem Ende. Für Leserinnen literarischer Gegenwartsliteratur und Fans von Reise- und Selbstfindungsromanen gut geeignet. Für alle Bestände.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Sunbirds
Penelope Slocombe ; aus dem Englischen von Britt Somann-Jung
Ullstein (2025)
414 Seiten
fest geb.