Hänsel und Gretel
Den Inhalt des Märchens von Hänsel und Gretel muss man wohl niemandem mehr erzählen, so abgegrast ist es inzwischen auch im Bereich der Bilderbücher. Umso gespannter darf man sein, wenn sich ein international anerkannter Künstler, der sich als
Comiczeichner und Grafiker bereits einen Namen gemacht hat, dieses Märchens annimmt. Gleich vorweg: Von heiler Kinderzimmer-Märchenwelt ist Lorenzo Mattotti meilenweit entfernt, das zeigt schon das Fehlen jedweder Farbe. Schwarz dominiert jedes der doppelseitigen Bilder, die wie im Rausch gemalt scheinen, voller Dynamik und geheimnisvoll düster. Die Figuren wirken fast verloren inmitten ihrer Umgebung, so klein sind sie dargestellt. Und genau das macht den Reiz dieser Illustrierung aus, denn wenn man das Märchen auf die Grundgeschichte reduziert, dann geht es um zwei kleine Kinder, die von ihren Eltern in einem dunklen Wald ausgesetzt und von einer bösen Frau an Leib und Leben bedroht werden. Und genau diese Schrecknisse stellt Mattotti in aller Deutlichkeit dar. Der Text orientiert sich an der Originalausgabe der Kinder- und Hausmärchen und wurde behutsam dem heutigen Sprachgebrauch angepasst. Wenige Textzeilen füllen die Doppelseiten zwischen den Bildern und nehmen den Bildinhalt vorweg. Wer sich traut, Kinder auch künstlerisch zu fordern, sollte dieses bemerkenswerte Bilderbuch einstellen!
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Hänsel und Gretel
Jacob und Wilhelm Grimm. Lorenzo Mattotti
Carlsen (2011)
[24] Bl. : überw. Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 8