Ein ganz normaler Tag
Die Geschichten führen in den Schulalltag und in Flüchtlingsunterkünfte, zu Urlaubserlebnissen und ausländischen Mythen wie der Figur des orientalischen Schlangenkönigs oder zu vietnamesischen Hasen und Drachen. Die Erzählungen zeigen eine andere
Perspektive, die Perspektive von Kindern fremder ethnischer Herkunft, die manchmal ganz anders handeln und oft genauso wie deutsche Kinder; die zur Schule gehen in einer tropischen Stadt oder recht andere Essgewohnheiten haben; alle eint das Vertrauen der Kinder in ihre Familie. – Die Idee des Buches, Andersartigkeit verständlicher zu machen und nicht abzuwerten, bringt Fikri Anil Altintas in "Heute küsse ich mein Börek" auf den Punkt. Der Ich-Erzähler wird in seiner neuen Schule schlecht angesehen, weil er auch türkische Speisen wie Börek und Lahmacun dabeihat, die angeblich stinken, und die anderen Bio-Lebensmittel. Seine Mutter sagt ihm nach Fehlschlägen: "Die finden einfach nur das gut, was sie kennen. Und sie kennen den leckersten Duft der Welt einfach nicht. Steh zu dir und deinem Essen!" Der letzte Satz des Zitats erklärt die zweite Zielrichtung dieses literarischen Projekts: Kindern mit Migrationshintergrund den Wert ihrer Kultur bewusst zu machen, ohne sich zu isolieren.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein ganz normaler Tag
herausgegeben von Josephine Apraku ; mit Geschichten von Debora Antmann [und weiteren] ; mit Bildern von Beno Meli [und weiteren]
Carlsen (2024)
127 Seiten : zahlreiche Illustrationen (farbig)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5