Ein Huhn kommt selten allein
Titel und Cover verraten nicht, dass es sich in diesem ausgefallenen Kinderroman um Sterben, Tod, Trauer, Freundschaft und Lebensmut handeln könnte. Denn Geschichten über Hühner sind oft humorvoll. Aus der Ich-Perspektive begleiten wir Romeo, genannt
Ro, wie er sich im Leben zurechtfindet, während sein schwerkranker Vater im Sterben liegt. In der Klasse wird er gemobbt und nur Erinnerungen an die Reiseerzählungen seiner Eltern geben etwas Trost. Aus dem schmerzvollen Erstarren befreit ihn ein Huhn, das er eines Tages auf seinem Balkon findet. Tock, so nennt er es, gehört dem Nachbarmädchen Jessie, das seine Mutter verloren hat. Jessi hat den Verlust bereits erlitten und zieht Ro hinein in ihre schräge Familie. Besonders Opa ist ein kraftvolles Geschenk für die Kinder. Zwischen Jess und Ro entsteht mehr als eine Schicksalsgemeinschaft. In inniger freundschaftlicher Verbindung finden beide einen Weg ins Leben. Und sie haben eine geniale Idee, wie sie den letzten Wunsch seines Vaters erfüllen können, die Wüste ein letztes Mal zu sehen. – Die Erzählperspektive macht den Roman schmerzvoller, weil sie dicht an der Realität ergreifend vom Abschiednehmen erzählt. Obwohl es kein Happy End gibt, ist der Schluss voller Hoffnung auf das Leben. Der Autorin gelingt es, Situationskomik so einzusetzen, dass man buchstäblich weinen und lachen kann. Die Hühner tauchen in jedem Kapitel in kleinen, lustigen Vignetten auf. In diesem Buch sucht sich ein Huhn einen Menschen aus, ganz für sich allein, und rettet ihn.
Manuela Hantschel
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Huhn kommt selten allein
Jowi Schmitz ; aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann ; mit Vignetten von Stefanie Jeschke
Carlsen (2025)
202 Seiten : Illustrationen
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10