Das Leben, das uns bleibt
Ein Jahr ist seit der kosmischen Katastrophe vergangen, die die Erde zu einem äußerst lebensfeindlichen Ort werden ließ ("Die Welt, wie wir sie kannten", "Die Verlorenen von New York": BP/mp 10/478, 11/716). Noch immer ist der Hunger allgegenwärtig,
dreht sich in Mirandas Familie alles darum, irgendwie das Überleben zu sichern. Das wird nicht leichter, als eines Tages ihr Vater mit seiner neuen Familie und drei fremde Menschen vor der Türe stehen. Einer von ihnen ist Alex, der Held aus dem zweiten Band, der für die Zukunft seiner Schwester Julie zu jedem Opfer bereit ist. Miranda und Alex kommen sich langsam näher und beginnen, an eine gemeinsame Zukunft zu denken. Als Julie in einem Unwetter lebensgefährlich verletzt wird, nimmt die Hoffnung der beiden jungen Leute eine jähe Wende. - Aus der Sicht von Miranda erlebt der Leser, was es bedeutet, wenn alle zivilisatorischen Errungenschaften durch eine globale Katastrophe zerstört werden und ein Menschenleben nicht mehr viel wiegt. Gerade der knappe Erzählstil mit seinen vielen, zunehmend ermüdenden Wiederholungen erzeugt beim Leser ein ständig wachsendes Gefühl der Beklemmung. Leider gelingt es der Autorin nicht immer, die Emotionen und Handlungen ihrer Protagonisten psychologisch überzeugend darzustellen. Das gilt vor allem für den sehr vagen (evtl. doch auf eine Fortsetzung spekulierenden) Schluss des Romans, als Miranda die in dieser trostlosen Welt wohl nicht überlebensfähige Julie im Schlaf erstickt, um ihr weitere Qual zu ersparen, bevor sie mit Alex in eine ungewisse Zukunft aufbricht. Schade, der bis dahin absolut gelungenen Trilogie hätte man einen Abschlussband mit den gleichen literarisch überzeugenden Qualitäten der Vorgängerbände gewünscht. So bleibt nach den hochgesteckten Erwartungen am Ende die Erkenntnis, dass auch guten Autoren am Ende einer Trilogie schon mal die Puste ausgehen kann. (Übers.: Annette von der Weppen)
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Leben, das uns bleibt
Susan Beth Pfeffer
Carlsen (2012)
270 S.
fest geb.