Mondpicknick
Die elfjährige Martha und ihr kleiner Bruder Tug haben keine Ahnung, warum sich ihr Vater so merkwürdig benimmt. Seine Arbeit hat er schon bald nach dem Tod seiner Frau gekündigt, er kümmert sich nur wenig um die kleine Familie, lässt die Wohnung
immer mehr verkommen, verschwindet häufig für viele Stunden und kommt erst spät in der Nacht zurück. Manchmal erscheint er depressiv, an anderen Tagen benimmt er sich so auffällig, dass sich Martha immer wieder für sein Verhalten schämt. Und auch das spontane Mondscheinpicknick kommt den beiden Kindern irgendwie komisch vor. Trotz ihrer jungen Jahre kümmert sich Martha um den Familienalltag und übernimmt mit der Zeit immer mehr Verantwortung. Lange leugnet sie alle Anzeichen, bis sie schließlich einsehen muss, dass ihr Vater ein riesiges Alkoholproblem hat und es trotz aller Versprechungen nicht in den Griff bekommt ... - Simon Mason erzählt hier eine ernste und sehr schmerzhafte Familiengeschichte, die weit weg ist von der Unbeschwertheit seiner fröhlichen Quigley-Bücher. Schonungslos und doch sehr sensibel schildert er die Einsamkeit, die Angst und die völlige Überforderung des Mädchens und den nicht wiedergutzumachenden Vertrauensverlust, den die Alkoholsucht des Vaters in der kleinen Familie bewirkt. Das sehr authentisch wirkende Buch endet mit einem im Kinderbuch sicherlich notwendigen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, verschweigt aber keineswegs, dass es in einem solchen Fall kein endgültiges Happy End geben kann. Keine einfache Lektüre, aber unbedingt lesenswert. (Übers.: Gerda Bean)
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mondpicknick
Simon Mason
Carlsen (2013)
301 S. : Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 11