Leaving was the hardest part
Nehir kann in Berlin Design studieren. Ihr Vater, der schon lange von ihrer Mutter geschieden ist, zahlt das Studium unter der Bedingung, sie müsse bei ihm wohnen. In einem Keramikstudio trifft sie auf Atlas, der dort einen Lesekreis leitet. Sie ist
alles andere als angetan von ihm und seinem schroffen Wesen, geprägt von verstörenden Kindheitserlebnissen. Atlas studiert in höherem Semester Jura. Seinen Studienort hat er gewählt, weil seine Mutter, die ihn und seinen Vater vor Jahrzehnten verließ, in Berlin als Lehrerin tätig sein soll. Mit großer Vorsicht entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden. Durch Zufall steht Atlas plötzlich seiner Mutter gegenüber. Sie lädt nach ersten Begegnungen Atlas in ihre neue Familie ein. Und just ist das die Familie, in der Nehir lebt. Das gemeinsame Essen gerät zur Katastrophe, weil Nehirs Vater seine Stellung als Oberstaatsanwalt heraushängen lässt. Mit Folgen: Atlas' Mutter trennt sich von ihm; Nehir bezieht ein WG-Zimmer und Atlas kommt bei seiner Mutter unter. Die WG, die Atlas Halt gegeben hat, löst sich auf. – Der Autorin geht es hauptsächlich um die innere Entwicklung ihrer Protagonisten. So lässt sie in Dialogen häufig zwischen den Wortbeiträgen die Gedanken der Beteiligten, die sie tragenden Emotionen einfließen. Zum Teil macht das den Handlungsfortgang stockend, zum anderen wird klar, was hinter mancher Antwort an (negativer) Erfahrung steht. Ihrem Lebensalter entsprechend schreibt Dogan in einem Jugendjargon, was wohl der Denkweise der Zielgruppe Junge Erwachsene entspricht. Für Young Adults, die ihren Lebensweg noch suchen, dürfte das Buch ein Impuls sein.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Leaving was the hardest part
Rabia Dogan
Carlsen (2025)
347 Seiten
kt.