Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit
Die junge Nagata kann sich selbst nicht wertschätzen. Sie ist dünn wie eine Bohnenstange, weil sie kein Bedürfnis hat, etwas zu essen, sie ist von Narben gekennzeichnet von Wunden, die sie sich selbst zugefügt hat. Sie sehnt sich danach zu sterben,
doch auch dazu fehlt ihr der Antrieb. Mit 28 Jahren hat sie noch keinerlei Erfahrungen mit Sex. Erst beim Lesen eines Comics erkennt sie schockiert, dass sie ihr Leben unendlich wertschätzen kann. Um ihrer selbst willen kämpft sie. Sie will ein Treffen mit einer Prosituierten, um in die körperliche Liebe eingeführt zu werden. Dieses Ziel gibt ihr Kraft, ihr Leben zu verändern. Dieses offene Bekenntnis spiegelt die psychologische Seite dieses Tabuthemas wieder. Nichts daran ist erotisch oder schlüpfrig. Der etwas großformatigere Flexoband ist in rosa und weiß gehalten. Dennoch spiegelt diese Biografie den Schmerz und die Verletzungen, die eine ungewöhnliche sexuelle Orientierung bedeutet, wenn die Gesellschaft nicht offen damit umgehen kann. Da die katholische Kirche noch immer eine restriktive Sexualmoral vertritt, ist es sicher problematisch, diesen Band einzustellen, auch wenn er für Mädchen, die ihrer sexuellen Orientierung nicht sicher sind, eine Hilfe anbieten würde.
Ursula Reich
rezensiert für den Borromäusverein.
Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit
Kabi Nagata
Carlsen Manga! (2019)
142 S. : überw. Ill. (farb.)
kt.