Das angehaltene Leben
Ein Häftling verbüßt eine lebenslange Strafe in Isolationshaft und erzählt in Rückblenden von der wachsenden Vertrautheit mit der Geißel oder von anderen Insassen. Zum Beispiel sitzt im dritten Stock Toro, der das Privileg hat, Ausgang zu einer
Frau zu bekommen. Und er erzählt von Martini, in den sich eine gebildete Frau verliebt, die eine Brieffreundschaft mit ihm beginnt, von der alle Gefangenen profitieren, denn ihre Briefe, Tonbänder und Fotos gehen von Hand zu Hand. Den Wärtern geht es nicht viel anders als den Gefangenen, auch sie können nicht hinaus und müssen dasselbe Fernsehprogramm anschauen. Hin und wieder entlädt sich ihr Frust in wahllosen Prügeleien. Der Erzähler weiß alles vom Gefängnis, weil er in seiner einsamen Dunkelhaft alle Sinne geschärft hat und eins mit dem Bau wurde. Emotionslos und lakonisch erzählt er von der brutalen Gefängnissituation und steigert sie mit seinen philosophischen Abschweifungen ins Allgemeingültige. - "Das angehaltene Leben" ist der zweite Roman des mit Preisen ausgezeichneten italienischen Autors Maurizio Torchini (Jg. 1970). - Ab mittleren Beständen empfohlen.(Übers.: Annette Kopetzki)
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Das angehaltene Leben
Maurizio Torchio
Zsolnay (2017)
237 S.
fest geb.