Erste Töchter
Im dritten Band ihrer Trilogie erzählt Ljuba Arnautovic die Geschichte ihrer Familie weiter. Nach den ersten beiden Bänden, die von der Großelterngeneration („Im Verborgenen“, BP/mp 18/676) und der Vätergeneration („Junischnee“, BP/mp 21/412)
handeln, widmet sie sich nun ihrer eigenen Generation. Ihre älteren Schwestern Luna und Lara waren, nach einer gemeinsamen Odyssee durch die Haushalte diverser Mütter und Kinderheime, in den 1960er-Jahren vom Vater auseinandergerissen worden. Luna lebt in Wohlstand bei der neuen Familie des Vaters in München, während Lara bei der leiblichen Mutter in Wien bleibt, die einem gewalttätigen Ukrainer den Haushalt führt. – Arnautovic erzählt sachlich, wie in einer Chronik. Zeitlich bewegt sie sich bis in die 1980er-Jahre. Sie lässt die Schwestern, die einander entfremdet sind, wieder zusammentreffen, als Luna mit drei Freunden im VW-Bus in eine Künstlerkolonie im Burgenland unterwegs ist und bei der Schwester in Wien Station macht. Inzwischen ist Vater Karl nach der Öffnung Osteuropas in der Halbwelt Moskaus unterwegs. Als er von der Russenmafia entführt wird, müssen die beiden Schwestern wieder zusammenstehen ... – Ein beeindruckender Roman über die Auswirkungen der Gräuel des 20. Jh., die Generationen von Familien auseinanderrissen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Erste Töchter
Ljuba Arnautovic
Paul Zsolnay Verlag (2024)
154 Seiten
fest geb.