Die Jagd auf die Venus
In den Morgenstunden des 6. Juni 2012 zog die Venus an der Sonne vorbei und war als kleiner schwarzer Fleck zu sehen. Dieses immer zweimal kurz hintereinander stattfindende Naturschauspiel ereignet sich nur etwa alle hundert Jahre; das nächste Mal
wird es erst im Jahr 2117 (!) zu beobachten sein. Der Durchgang ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern liefert jedes Mal auch viele astronomischen Daten. Die Autorin zeichnet in ihrem Buch die Geschichte der Venus-Transits 1761 und 1769 nach. Sie beschreibt detailliert und spannend, wie Wissenschaftler aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Russland in den turbulenten Zeiten des Siebenjährigen Krieges entgegen allen Wirrnissen zusammen die Beobachtung planten und auswerteten. Ihre Geschichte beginnt mit dem britischen Astronomen Edmond Halley, der zu großer wissenschaftlicher Zusammenarbeit aufruft: Von verschiedensten Punkten der Erde aus muss der Venusdurchgang vermessen werden! Als Ziel gilt zum einen die Entfernungsbestimmung Erde-Sonne und zum anderen eine wesentliche Verbesserung der Navigation (Letzteres war für die Sicherung der Import- und Exportmärkte von erheblicher Bedeutung und veranlasste die Reichen, viel von den Kosten zu übernehmen). Zum Ergebnis: Bezogen auf den heutigen Wert (149.600.000 km) wurde die Entfernung Erde-Sonne großartig mit einer Schwankungsbreite von nur wenigen Prozenten ermittelt. Im sehr detaillierten Anhang findet der Leser das Verzeichnis der Beobachter von 1761 und von 1769, weiterhin etwa 50 Seiten Anmerkungen, dann viel Quellenmaterial und weiterführende Literatur. - Empfehlenswert für einen besonders interessierten Leserkreis.
Gertraud Roth
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Jagd auf die Venus
Andrea Wulf
C. Bertelsmann (2012)
412 S. : Ill.
fest geb.