Vater. Mörder. Kind
Furio Guerri bezeichnet sich selbst als ein Monster, in seinem zweiten Leben. Und das ist er auch, denn er hat seine Familie auf dem Gewissen. Doch es gab vor dieser Tat auch einen anderen Furio, den liebenden Ehemann, den aufopferungsvollen Vater
einer kleinen Tochter und den engagierten Verlagsvertreter, der dennoch in seiner Firma immer den Anforderungen hinterher hinkt. Und so lässt er eines Nachts zu viel Dampf ab und misshandelt seine Frau, die an den Folgen des Angriffs stirbt. Nach der Haftentlassung sucht er den Kontakt mit seiner Tochter, aber als Monster muss man vorsichtig sein. - Erst allmählich erschließt sich, warum Furio Guerri sich für ein Monster hält. Auf zwei Zeitebenen und Erzählperspektiven entwickelt sich nach und nach das Bild eines Dramas, das in seiner Alltäglichkeit schon fast banal, in seinen Auswirkungen jedoch grausam zerstörerisch ist. Während die Zeit vor dem Unglück von außen betrachtet wird, erzählt Guerri selber von seinem zweiten Leben und den Folgen seines Ausrasters. Die Muster allerdings ähneln sich, auch in der Beziehung zu einer Frau. Und dem Leser stellt sich die bange Frage, wie Guerris anonyme Annäherung an seine Tochter wohl enden wird. Simi hat einen packenden Roman über das Grauen hinter einer gutbürgerlichen Fassade geschrieben und gewährt einen psychologisch stimmigen Einblick in die Gedankengänge des Täters, der auch Opfer ist. Für größere Bestände ein Gewinn! (Übers.: Anja Nattefort)
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Vater. Mörder. Kind
Giampaolo Simi
C. Bertelsmann (2013)
301 S.
fest geb.