Café Finito
Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beherbergt das ehemalige Totengräberhaus das Café Finito. Hier kümmert sich Kristof Fährer, der Verwalter, um Friedhofsbesucher, die er im Café bewirtet. Vor allem aber um die jährliche Gruppe
von Trauernden, die seinen Abschiedskurs besuchen. Dieses Jahr ist die Ärztin Mira dabei, eine alleinerziehende Mutter, die ihrer langjährigen besten Freundin aus verletzter Eitelkeit nicht in ihren letzten Lebenswochen beistand und es jetzt bitter bereut. Außerdem die Autorin Iris, die ihre kranke Mutter bis zum Tod pflegte und danach in eine tiefe Lebenskrise stürzte. Jonas, der junge Mann, der nicht weiß, was er nach dem Tod seines Vaters mit dessen Erbe und seinem Leben anfangen soll. Schließlich Lizzie, die ihren Mann Ferdinand nach 70 Jahren verlor, und Matthias, der nach dem plötzlichen Tod seiner Geliebten völlig aus der Bahn geworfen wurde. All diese Menschen bringt Kristof zusammen, um ihnen behutsam zu zeigen, wie man mit Verlust und Trauer umgehen und wieder neuen Lebenssinn finden kann. Ganz unbeabsichtigt finden aber diese sechs Menschen noch weiter zusammen und helfen sich gegenseitig in ihrer Trauer, aber auch in ihrem Alltag. Die beiden Bestatterinnen Dorothee und Dorothea sowie ihr stiller Verehrer Dr. Immanuel verleihen der Geschichte eine komische Note. – Mancher, der den Roman in Händen hält, wird sich fragen, ob man dem Thema Tod ein ganzes Buch lang begegnen möchte. Doch Sybil Volks versteht es meisterhaft, dem Tod zwar nicht die Tragik, aber doch ein wenig die Schwere zu nehmen. Unaufdringlich, aber immer wieder spürbar lässt die Autorin leise Gesellschaftskritik einfließen. Ihr Erzählstil ist grandios, mühelos schafft sie poetische, metaphorische Beschreibungen, die dem Roman eine atmosphärische Stimmung geben. – Dieses einfühlsame Buch wird allen Büchereien wärmstens empfohlen!
Sonja Gast
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Café Finito
Sybil Volks
C.Bertelsmann (2025)
336 Seiten
fest geb.