Die Spur des Silbers
In Zeiten rapide steigender Edelmetallpreise folgt die Geschichte des Silberhandels von Tillmann Bendikowski einem aktuellen Trend. Der Autor zahlreicher Bücher zu historischen Themen bleibt seinem Stil treu. Plaudernd im Ton, eher populärwissenschaftlich,
ein wenig unterkomplex in punkto Abhängigkeiten und Folgen historischer Prozesse. Zügig durchmisst er das Altertum. Mittelalter und frühe Neuzeit, besonders die Anfänge der Kolonialisierung Südamerikas, bilden den Hauptumfang des Werks, während er sich im 19. und 20. Jh. auf wenige Kuriositäten rund um das Leitthema beschränkt. Liebhaber einer Geschichtsschreibung in Anekdoten, die zugleich Laien auf dem Gebiet des Themas "Silber als Geld" sind, dürfte die Lektüre angenehm unterhalten. Ernsthaft historisch bzw. finanzgeschichtlich interessierte Leser finden kaum Neues. Fakten und Eckdaten sind alles in allem sauber zusammengetragen. Allerdings häufig so arrangiert, dass sie antiklerikale und postkoloniale Klischees bedienen. Danach nutzt die Katholische Kirche Silber vorzugsweise für Prunk und Reliquienkauf, sichert die Ausbeutung der amerikanischen Ureinwohner mit Mission und kirchlicher Infrastruktur ab. Silber aus Mittel- und Südamerika beförderte Umweltverschmutzung vor Ort, Inflation in Europa und unfaire Handelspraktiken mit China. Das ist nicht grundverkehrt, aber in seiner Geradlinigkeit und Selektivität eben auch irreführend. Die Geschichtswissenschaft argumentiert auf all diesen Feldern deutlich differenzierter. Als Einstiegswerk gerade noch passabel.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Spur des Silbers
Tillmann Bendikowski
C.Bertelsmann (2025)
[9], 255 Seiten : Illustrationen (teilweise farbig), Karten
fest geb.