Die Stunde der Mauersegler
Beim 85. Geburtstag, gefeiert in Westberlin, kommt es heraus und verstört die Urenkelin Lou: der Schwager des Jubilars Konrad Simon hat kurz nach dem Mauerbau die DDR verlassen. Er wurde in der weitläufigen Familie totgeschwiegen. Die Studentin macht
sich auf die Suche, was sich in der Zeit vor und kurz nach der Wende in der Familie Simon-Hauschke zugetragen hat. Die befragten Familienmitglieder weichen gerne aus, auch weil sie von ihrer eigenen Vergangenheit geprägt sind. Konrad und vor allem seine Frau Elisabeth scheinen auf den Aufbau des Sozialismus gesetzt zu haben, während ihre Tochter Isabella und ihr Mann Hannes der DDR kritisch gegenüberstanden und sogar einen Ausreiseantrag gestellt hatten, der sie über Göttingen wieder nach Berlin führte. Ihr volljähriger Sohn Christian wurde deswegen schikaniert, während ihre Tochter ihre Jugend in Westdeutschland verlebte. – Für die Lesenden sind weniger die Fakten der Familiengeschichte, die nach und nach zutage kommen, das Bemerkenswerte, sondern der Umgang innerhalb der Familie mit ihnen. Wie man sich (scheinbar) anpasste, welchem Druck man durch die Stasi ausgesetzt war... und wie man das den anderen gegenüber verschwieg. Die Autorin stützte sich für diese fiktive Familiengeschichte auf eine Vielzahl von Erlebnisberichten von Zeitzeugen. Eine interessante, komprimierte Innensicht entstand auf diese Weise.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Stunde der Mauersegler
Margarethe Adler
C.Bertelsmann (2024)
349 Seiten
fest geb.