Jeongmin töpfert das Glück
Yeongmin, eine Fernsehdrehbuchautorin, erleidet berufsbedingt eine tiefe Depression. Sie kündigt ihre Stellung und zieht sich völlig in ihre kleine Wohnung zurück und bricht den Kontakt zur Außenwelt ab. Nach mehreren Monaten findet sie zufällig
bei einem Spaziergang eine Töpferei, deren Leiterin Yohee ihr sofort gefällt. Spontan entschließt sie sich, einen Töpfereikurs mitzumachen. Die wunderbar ruhige, positive Atmosphäre in der Werkstatt tut ihr unendlich gut, auch der Kontakt zur jungen Mitarbeiterin Jihye stimmt sie endlich wieder positiv und lässt sie eine neue Lebenslust gewinnen. Und als Gisik auftaucht, beginnt für sie – ganz behutsam – der Weg zu einem neuen, schönen Leben. – Die Autorin ist eines der größten jungen Schriftstellertalente in Südkorea. Sie wurde für frühere Werke bereits prämiert. Auch ihr neuester Roman wurde in Korea zum Bestseller und ist ihr internationales Debüt, mit dem Somin bereits in 20 Ländern Erfolge feiern konnte. Das Buch weist mit Sicherheit autobiographische Züge auf: Neben dem fast identischen Namen ist es auch der Beruf der Autorin, den sie mit der Protagonistin Yeongmin gemein hat. Es ist eine überaus poetische Geschichte, geschrieben mit viel Empathie und einem feinen Humor, die schon ab den ersten Seiten gefangen nimmt. Sehr gut auch die deutsche Übersetzung von Kyong-Hae Flügel, die die Atmosphäre wunderbar einfängt und wiedergibt. – Ein Roman der leisen Töne, der aber dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – tiefgründig und gehaltvoll wirkt. Allen Büchereien zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Jeongmin töpfert das Glück
Yeon Somin ; aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel
C.Bertelsmann (2024)
269 Seiten
fest geb.