Kaltblut
Stubber ist der Sohn eines Bezirkssprengmeisters in einem kleinen Ort tief im Tal. Der wortkarge Einzelgänger hadert mit seinem Leben in der Enge der Heimat. Nach der Schulzeit zieht es ihn für einige Jahre in die Großstadt – doch dort fehlt ihm
das, was ihn geprägt hat: die Berge, die klare Luft, das Leben draußen. Nach dem plötzlichen Tod seiner Eltern kehrt er zurück in das verlassene Elternhaus und tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Doch Stubber bleibt ein Außenseiter. Die Leute im Dorf tuscheln über ihn. Der schweigsame Hüne, der sich nicht einfügt, ist ihnen unheimlich. Sie meiden ihn, wo sie können. Eines Tages begegnet Stubber einer fremden Frau, die auf der Walz ist. Er lässt einen wichtigen Auftrag liegen und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Sie nennt sich Alaska, hat seltsam wässrig-blaue Augen – und Stubber verliebt sich in sie. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer: Alaska stirbt bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes. Stubber bringt das Neugeborene zum Pfarrer und dessen Haushälterin und zieht sich zurück. Einige Zeit später findet im Dorf eine Feier statt – ein 50. Geburtstag, hoch oben in einer Berghütte. Elf Männer feiern dort mit Bier, Musik und Brotzeit. Wenig später erschüttert eine Explosion das Tal. Alle elf Männer sterben – die Druckwelle zerfetzte ihre Lungen. Schnell ist klar: Es war kein Unfall. Stubber gerät unter Verdacht ... – Wolfgang Maria Bauer, bekannt als Schauspieler, widmet sich in seinem Romandebüt mit viel Feingefühl dem harten, oft kargen Leben der Bergbewohner. Mit scharfem Blick beschreibt er deren Eigenheiten, Traditionen, Schattenseiten und ihre tiefsitzende Angst vor Veränderung ebenso wie die Isolation eines Außenseiters. Der Autor überzeugt mit einem klaren, präzisen Schreibstil, großer atmosphärischer Dichte und eindrücklich gezeichneten Figuren. Ein intensives literarisches Erlebnis und eine wertvolle Bereicherung für jede Bücherei.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kaltblut
Wolfgang Maria Bauer
C.Bertelsmann (2025)
223 Seiten
fest geb.