Trotz alledem
Jean Ziegler ist sicher einer der umstrittensten, weil rigorosesten gesellschaftspolitischen Autoren der letzten 50 Jahre. Auch in seinem neusten Buch geht er schonungslos mit dem ins Gericht, was er selbst "kannibalische Weltordnung" nennt: Die reichen
Staaten der Nordhalbkugel leben – so Ziegler – unbekümmert ihren Wohlstand auf Kosten des globalen Südens, der immer mehr in Katastrophen versinkt. Die Gegenwart ist geprägt von verheerenden Kriegen, die Klimaveränderung droht zu eskalieren, Hunger, Durst und grauenvolle Epidemien kosten jährlich über 60 Millionen Menschen ihr Leben. Bei allen Themen legt Ziegler die Finger in offene Wunden und nimmt kein Blatt vor den Mund. Und hat dennoch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass in den reichen Nationen sich endlich das Gewissen regt und man massiv gegen die globalen Missstände vorgeht. – Ein Buch, das sicher viele Leser verstört, vielleicht sogar gegen den Autor aufbringt, das aber viele nachdenkenswerte Ideen und Ansätze liefert. Für größere Bestände durchaus empfohlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Trotz alledem
Jean Ziegler ; aus dem Französischen von Hainer Kober
C.Bertelsmann (2025)
205 Seiten
fest geb.