Dunkles Schweigen
Wer würde das schon glauben, wenn Ben erzählen würde, dass der beliebte Kunstlehrer, der so viel von ihm hält, der ihm nach dem Tod seines Vaters wirklich geholfen hat, Nacht für Nacht zu ihm kommt? Zu dieser Einsamkeit des Geheimnisses kommt
die grenzenlose Scham, die unter den harmlosen Blicken der Mitschüler leidet und die bei der beginnenden Freundschaft mit Lilith nun auch wieder so richtig hochkommt. Hier bricht - für den Leser in rückblickenden Sequenzen geschildert - auf, was sich vor vier Jahren im Internat ereignet hat. Bens coole Fassade bröckelt, und da der Leser im Gegensatz zu Lilith oder Bens Mutter weiß, woher seine manchmal schwer zu ertragenden Reaktionen kommen, entsteht ein hoher Identifikationsgrad. Es ist bis zum Schluss die spannende Frage, ob die Mauer des Schweigens durchbrochen werden kann und es Konsequenzen für den Reformpädagogen gibt. In lebendiger und mitreißender Sprache erzählt die Autorin - eingebettet in ein Therapeutengespräch - von der Verzweiflung des Missbrauchsopfers und lässt die seelischen Qualen beim Leser (ab 13 Jahren) unter die Haut gehen. Unbedingt zu empfehlen!
Susanne Elsner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Dunkles Schweigen
Brigitte Blobel
cbj (2011)
251 S.
fest geb.