Ein Flüstern in der Nacht
"Sprich kein Wort"- das waren die letzten Worte, die sie versteckt im Spülschrank von ihrem Papa hörte, als die Nazis ins Judenhaus, in das man Rachel und ihre Familie gesteckt hatte, eindrangen und alle mitnahmen - alle bis auf Rachel, die ein Soldat
bewusst im Schrank übersehen hatte. Ihre gesamte Familie wurde ihr entrissen, doch sie hat Glück im Unglück: Eine deutsche Familie nimmt sie auf, auch, wenn sich der Enkel Frederik, aufgewachsen mit HJ und brauner Propaganda, heftig gegen die Jüdin wehrt. Dennoch überlebt sie gemeinsam mit ihnen den schrecklichen Krieg und wächst immer mehr mit der deutschen Gertrude und Frederick zusammen. Bis sie auch hier Abschied nehmen muss: Gertrude bringt sie zum Roten Kreuz, die nach Rachels Familie suchen will und Rachel in ein englisches Waisenhaus bringt. All die Zeit jedoch bricht sie das Versprechen nicht, noch immer hat sie keinen Ton gesagt, seit ihr Papa sie in den Schrank gesetzt hat. Ob sie ihn jemals wiedersehen, endlich wieder mit ihm und der Welt da draußen reden können wird? - Einfühlsam, ohne pathetisch zu wirken, nichts beschönigend, aber kindgerecht erzählt Moya Simons die berührende Geschichte der deutschen Jüdin Rachel, die mit Hoffnung und kindlicher Unverzagtheit die Schrecken des Zweiten Weltkriegs knapp überlebt. Dabei gestaltet sie die Figuren, vor allem die Protagonistin, plastisch und derart sympathisch, dass man schnell vom spannenden Lesefluss mitgerissen wird. Auf eingängige, mitfühlende Weise lernen Kinder damit die Zeit des NS-Regimes, aber auch Werte wie Freundschaft, Familie, Vertrauen und Hoffnung anschaulich kennen. (Übers. v. Anne Braun)
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein Flüstern in der Nacht
Moya Simons
cbj (2012)
299 S.
fest geb.