Wer's glaubt, wird selig?

Für viele Menschen sind christliche Begriffe wie Sünde oder Erlösung nicht mehr verständlich. Mit Sünde verbinden sie eher die zusätzliche Kugel Eis, die sie sich gönnen, als die gestörte Beziehung zu Gott. „Der moderne Mensch steht … mit Wer's glaubt, wird selig? einem großen Fragezeichen im Kopf vor der Welt des kirchlich überlieferten Glaubens“, schreibt der evangelische Theologe Christopher Zarnow. Deshalb erklärt er 24 christliche Grundbegriffe (u.a. Schöpfung, Theodizee, Auferstehung, Dreieinigkeit, ewiges Leben) so, dass ihre „konkrete Lebensrelevanz“ für von Naturwissenschaft und Technik geprägte Menschen des 21. Jahrhunderts sichtbar wird. Den Anfang machen mit Zweifel und Sehnsucht allerdings zwei Begriffe, die gerade nicht zu den Grundbegriffen gehören, die aber für die Haltung vieler Menschen gegenüber Religion stehen. Zarnow bezieht sich beim Thema Zweifel auf den evangelischen Theologen Paul Tillich, der darauf aufmerksam macht, dass nicht das Schuldbewusstsein und die Frage nach einem gnädigen Gott im Zentrum des modernen Lebens stehen, sondern Erfahrungen der Sinnlosigkeit und Leere. Daran müssten die Kirchen anknüpfen und den Menschen zeigen, dass das Christentum eine Kraftquelle dafür sein kann, sich dieser Leere zu stellen. Beim Begriff Sünde erinnert Zarnow angesichts der weitgehenden Banalisierung des Begriffs daran, dass Sünde religiös verstanden immer auf das Verhältnis von Mensch und Gott zielt. Im evangelischen Verständnis ist Sünde mangelndes Gottvertrauen, eine Haltung, in der ein Menschen mehr um sich selbst kreist, als das Leben dankbar als von Gott geschenkt zu sehen. Die Einsicht in die eigene Sündhaftigkeit kann – so Zarnow – zu einem tieferen Verständnis für die Mitmenschen führen. An dieser Stelle ist vielleicht der Hinweis sinnvoll, dass Christopher Zarnow als evangelischer Theologe natürlich aus der evangelisch-konfessionellen Perspektive schreibt und seine Referenzen auch aus dem evangelischen Bereich stammen. Für Katholiken ist die Lektüre trotzdem gewinnbringend, denn angesichts des krassen Bedeutungsverlustes des Christentums ist es auf jeden Fall hilfreich zu schauen, wie andere darauf reagieren. Außerdem sind viele Gedanken zu den christlichen Grundbegriffen, die Zarnow formuliert, konfessionsübergreifend. Das zeigt sich z.B. an seinen Gedanken zum Begriff Erlösung. Gegenüber einer auf Selbstoptimierung und -erlösung getrimmten Gesellschaft betont er, dass im religiösen Verständnis Erlösung von außen, von Gott komme. Das könne man doch als gute Nachricht sehen: Du musst das gar nicht selbst machen und können, sondern darfst auf Hilfe von außen vertrauen. Zarnow versteht es nicht nur, christliche Begriffe für unserer Gegenwart zu übersetzen, er sorgt mit zahlreichen popkulturellen Referenzen auch dafür, dass auch religiös weniger bewanderte Leser*innen einen Zugang zu diesen Begriffen finden können. (Religiöses Buch des Monats August)

Wer's glaubt, wird selig?

Wer's glaubt, wird selig?

Christopher Zarnow
Gütersloher Verlagshaus (2025)

191 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 621616
ISBN 978-3-579-07105-3
9783579071053
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Auszeichnung: Religiöses Buch des Monats