Acht Tage im April
Gemeinsam mit anderen Gefangen wird der evangelische Pfarrer und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer vom Konzentrationslager Buchenwald in das bayrische Flossenbürg verlegt. Die sehr unterschiedlich zusammengesetzte und kleine Gefangenengruppe
bestand unter anderem aus ehemaligen Militärs, einem britischen Spion und einem SS-Arzt. Anfang April 1945 rücken die alliierten Armeen immer weiter vor und das Nazi-Regime versucht, die letzten Kräfte in einer kriegsmüden Gesellschaft zu mobilisieren. Der britische Autor John McCabe beleuchtet detailreich die gemeinsame Reise der Gruppe von Gefangenen und damit die letzten acht Tage im Leben Bonhoeffers. Über dessen Biografie und Theologie sind bereits viele Werke erschienen (z.B. Prinz, BP/mp 18/207; Ellermeier, BP/mp 20/731). Aufgrund dieser detailtiefen Nahaufnahme zum Ende des Zweiten Weltkriegs verdient dieses Buch dennoch besondere Beachtung. Zumal der Autor, ein anglikanischer Pfarrer, immer wieder den größeren historischen Hintergrund dieser ereignisreichen letzten Kriegstage aufzeigt. So bleibt es nicht bei der bewegenden Schilderung, wie Bonhoeffer im Geheimen und mit dem Gespür für Ökumene einen Gottesdienst in Gefangenschaft für seine Mitreisenden abhält. Es folgt darauf direkt das Kapitel "Ein Sonntag im totalen Krieg", in dem die Kriegslage in Europa geschildert wird. In den beiden Tagen nach diesem letzten Gottesdienst wird Bonhoeffer von den anderen Gefangenen getrennt, vor ein Standgericht gestellt und hingerichtet. 80 Jahre nach dem Tod erinnert dieses Buch an die letzten Tage in seinem Leben und das Ende des Nationalsozialistischen Regimes in Deutschland, das auf grausame Art und Weise zu retten versucht, was nicht zu retten war.
Sebastian Heuft
rezensiert für den Borromäusverein.
Acht Tage im April
John McCabe ; aus dem Englischen übersetzt von Thomas Görden
Gütersloher Verlagshaus (2025)
460 Seiten : Illustrationen
fest geb.