Judas, der Komplize
Jeder kennt Judas als Verräter, der Jesus im Ölgarten den Wachen ausliefert. Die zum Teil spärlichen Informationen der Evangelien zu dem Vorfall inspirierte eine Vielzahl an Künstlern, über Judas' Motiv zu spekulieren: War es Geldgier oder gar
ein Pakt mit dem Teufel? Bei allen wird Judas Iskariot als Verräter dargestellt. Jetzt stellt Leo G. Linder mit seinem neuesten Werk zum Leben und Umfeld Jesu die Frage, ob Judas von der Nachwelt vielleicht missverstanden wurde und gar kein geldgieriger Verräter war. Die Beantwortung der Frage, welche Rolle der zwölfte Jünger tatsächlich eingenommen habe, setzt Linder unter einige Vorzeichen. So werden die vier Evangelisten als vier historische Gestalten verstanden, die in einem fiktiven Verhör zu den Abläufen befragt werden. Dabei geht es in einem ersten Buchteil um die Befragung zu Judas und dessen Handeln. In einem zweiten Teil beschreibt er das Motiv Jesu, Judas als Komplize in seine Pläne einzuweihen. Die etwas unübliche Verhörform und die fiktive Darstellung der Evangelisten als Person dient der Argumentation und dem Lesefluss, ist aber nicht theologisch-wissenschaftlich und wirkt an einigen Punkten sehr konstruiert. Dennoch gelingt es dem Autor, seine These interessant und spannend für eine breite Leserschaft darzulegen.
Sebastian Heuft
rezensiert für den Borromäusverein.
Judas, der Komplize
Leo G. Linder
Gütersloher Verl.-Haus (2014)
221 S. : Ill.
fest geb.