Deutschland, deine Götter
Der Kolumnist und Autor Gideon Böss ist Atheist. In seinem neuesten Buch begibt er sich auf die Suche nach einer neuen Heimat für seine Seele. Dazu besuchte er 26 Glaubensgemeinschaften, Sekten und Religionen, die in Deutschland vertreten sind. Von
der katholischen Kirche bis hin zu den Verehrern eines fliegenden Spaghettimonsters geht Böss den unterschiedlichsten Ansätzen nach. Schon das Nebeneinanderstellen von Sekten und Religionen ohne Differenzierung mag dem einen oder anderen Leser beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis merkwürdig vorkommen. Der Autor wolle damit keine Wertung vornehmen, heißt es später im Nachwort. Liest man nun auch die Einleitung wird schnell klar, dass Böss seine Sinnsuche nicht wirklich ernst nimmt, beziehungsweise das "Geheimnis des Glaubens" nicht versteht (oder nicht verstehen will). Er begreift Religion als "Produkt", das man sich aus einer vorhandenen Vielfalt auswählen kann, ähnlich wie dies bei dem Kauf eines neuen Smartphones der Fall ist (S. 8). Ein tatsächliches Anliegen, den Glauben seiner Interviewpartner zu verstehen, lässt sich nicht erkennen - was wiederum mit seinem Grundverständnis von Religion als reine Dienstleistung zusammenhängen mag. Zwar ist diese Dienstleister-Auffassung zurzeit durchaus populär und auch der flüssige und witzige Schreibstil weiß zu gefallen, doch sind die Besuche bei den unterschiedlichen Religions- und Sektenvertretern weder informativ noch werden sie dem Anspruch von Religionen gerecht. So ist das Buch eher ein Reiseführer durch die Kulturlandschaft Deutschlands und eine Momentaufnahme der Glaubensvielfalt in unserem Land, als die ehrliche Suche nach einem tieferen Sinn. All dies macht das Buch wenig empfehlenswert.
Sebastian Heuft
rezensiert für den Borromäusverein.
Deutschland, deine Götter
Gideon Böss
Tropen (2016)
Sachbuch
398 S. : Ill.
fest geb.