Die Summe unserer Teile
Lucy, Anfang zwanzig, hat gerade ein Semester beendet und freut sich auf die freie Zeit, die vor ihr liegt. Als sie nach Hause kommt, steht mitten in ihrem Zimmer ein Flügel. Ihre Mutter hat ihn geschickt, ohne ein erklärendes Wort. An ihm hat Lucy
als Kind einst Klavierspielen gelernt. Lucy ist wütend und irritiert. Es zieht sie raus aus dem sommerheißen Berlin, und sie reist nach Sobot in Polen. Hier ist ihre Großmutter aufgewachsen und nach dem Zweiten Weltkrieg in den Libanon geflüchtet. Lucy, die eigentlich den Namen ihrer Großmutter – Lyudmila – trägt, wird unerwartet mit ihrer Familiengeschichte konfrontiert, in der Mutter und Großmutter nicht nur eine große Rolle gespielt, sondern auch so manches Geheimnis hinterlassen haben. Drei Frauen, drei Generationen: Die Erzählungen spannen sich über siebzig Jahre und beschreiben feinfühlig, wie kompliziert das Leben und die Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern sein können. So ganz schließt sich der Kreis am Ende nicht. Fragen bleiben offen. Dennoch ist Paola Lopez ein lesenswerter Debüt-Roman gelungen, in den die Leserin von der ersten Seite an einsteigt und am Ende gerne weiterlesen und erfahren möchte, wie es weitergeht.
Christiane Raeder
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Summe unserer Teile
Paola Lopez
Tropen (2025)
250 Seiten
fest geb.