Das Echo der Zeit

Vier revolutionäre Meisterwerke stehen im Zentrum dieser extravaganten Musikkulturgeschichte: Benjamin Brittens "War Requiem", Dmitri Schostakowitschs Sinfonie "Babi Jar", Arnold Schönbergs "Survivor" und Richard Strauss` "Metamorphosen". Sie werden Das Echo der Zeit vor der Folie zweier verheerender Weltkriege, in der sie entstanden, in Erinnerung gerufen. Dabei wagt der Autor, bisher Vernebeltes oder Verdrängtes schonungslos ans Licht zu heben. Dem 50-jährigen jüdischen Chef-Kritiker des "Boston Globe" geht es in seinen glänzend eruierten und mit seltenen Bildmaterial belegten Recherchen darum, den hohen Verdiensten jüdischer Kunstschaffender, bis hin zu Yehudi Menuhin, neue Denkmale zu setzen. Sein immenses historisches Wissen, seine archivalisch gesicherte Belesenheit und sein erstaunlicher Mut, viele bisher nur vage oder verkehrt herum angesprochene Details aufzudecken, verdienen hohen Respekt. Zugleich hindern sie womöglich manche Leserin, manchen Leser daran, das mit geschichtlichen Einzelheiten aufgeladene Buch mit den zahlreichen Anmerkungen aus der Hand zu geben. Einige ans Licht gebrachte Wahrheiten sind allerdings bedrückend und wecken kaum erträgliche Schuldgefühle. Das wunderbare Buch bleibt allerdings einem ausgewählten, musiktheoretisch wie historisch versierten Lesepublikum vorbehalten.

Hans Gärtner

Hans Gärtner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Echo der Zeit

Das Echo der Zeit

Jeremy Eichler ; aus dem Amerikanischen von Dieter Fuchs
Klett-Cotta (2024)

463 Seiten : Illustrationen
fest geb.

MedienNr.: 618693
ISBN 978-3-608-96586-5
9783608965865
ca. 32,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Mu
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