Das Deutsche Demokratische Reich
Volker Weiß, Autor in der Süddeutschen Zeitung und einer der besten Kenner der AfD und rechten Szene insgesamt, zeigt an vielen Beispielen, wie „alternative“ Geschichtsdeutung – schrill, widersprüchlich und verklärend – erfunden, umgedeutet
und schließlich auch durchgesetzt wurde. Es ist fast ein „geistiger Bürgerkrieg“. Die Geschichte des Nationalsozialismus wird von den Rechten heruntergespielt und verzerrt, Adolf Hitler sei ein Kommunist, Nazis in Wirklichkeit „Sozialisten“, mit denen die Neurechten nichts zu tun hätten. Die DDR stellt sich als Modell für eine autoritäre Ordnung (ein preußischer Ordnungsstaat) und nationalstaatlicher Homogenität dar. Russland betrachten die Rechten als geopolitischen Gegenspieler zum „dekadenten Westen“ und eine modernisierte Form des Russischen Reiches. Volker Weiß stellt die Ziele der Rechten klar heraus, nämlich den westlichen Liberalismus zu überwinden und Deutschland aus dem Westen herauszulösen. Ein Mittel dazu ist die Sprache, mit der Ereignisse, Personen und Begriffe manipulativ umkodiert werden („Resignifikation“). – Die fundierte Analyse ist hochaktuell und empfiehlt sich für alle Bestände.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Deutsche Demokratische Reich
Volker Weiß
Klett-Cotta (2025)
287 Seiten
fest geb.