Die Flucht

In der Eingangsszene liegt der namenlose Junge zusammengekauert in einem Erdloch und hört seine Verfolger in unmittelbarer Nähe. Noch Stunden, nachdem die Stimmen verschwunden sind, bleibt er reglos liegen, vor Angst entdeckt zu werden. Auf seiner Die Flucht nächtlichen Wanderung gen Norden trifft er dann auf einen alten, geheimnisvollen und wortkargen Hirten, der sich fraglos seiner annimmt und ihn nach einem Sonnenstich gesund pflegt. Schnell lernt er vom Hirten, dass das wenige Wasser, das sie finden, für die Ziegen bestimmt ist, die es später in Form von Milch zurückgeben werden. - Der Text nimmt sich viel Zeit, beschreibt wie in Zeitlupe jeden Handgriff des Hirten und gibt wieder, wie genau der Junge den Alten bei seinen nahezu rituellen Handlungen beobachtet. - Als die beiden an die Überreste einer Burg mit einer legendären Christusfigur gelangen, ist der Alte erschöpft. Ein Überfall durch den Suchtrupp schweißt die beiden weiter zusammen. Mehr und mehr dreht sich ihr Verhältnis um. Nun macht der Junge alles, wie er es vorher beim Hirten gesehen hatte, gibt den Ziegen zu trinken und versorgt die Wunden des Alten. Bevor dieser ihn wegschickt, um Wasser zu suchen, nimmt der Hirte dem Jungen das Versprechen ab, ihn zu beerdigen, falls er bei seiner Wiederkehr gestorben sein sollte. - Im weiteren Verlauf gibt es noch viel Entbehrung, Schrecken und Gewalt, und der Junge wird vor manche Gewissensfrage gestellt. Am Schluss hat der Junge vom Alten nicht nur das Überleben gelernt, sondern auch wie man sich moralisch verhält. - Der spannende Debütroman des Spaniers Jesùs Carrasco (Jg. 1972), der bereits in zehn Länder verkauft wurde, ist sicherlich eine Bereicherung für alle Büchereien. (Übers.: Petra Strien)

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Flucht

Die Flucht

Jesús Carrasco
Klett-Cotta (2013)

207 S.
fest geb.

MedienNr.: 377234
ISBN 978-3-608-98001-1
9783608980011
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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