Das Lied des Propheten
Nach den letzten Wahlen steht in der Republik Irland eine rechtsextreme Partei in der Regierungsverantwortung. Eher schnell als schleichend wird aus dem demokratischen Land ein totalitärer Staat, in dem die neuen Machthaber unliebsame Meinungen unterbinden
und politische Gegner aus dem Weg räumen. Als Reaktion darauf entsteht im Untergrund eine Revolte, und vor allem junge Menschen wehren sich mit allen Mitteln gegen die Diktatur. Resultat ist ein Bürgerkrieg mit verheerenden Folgen für alle. Paul Lynch erzählt dieses erschreckend vorstellbare Szenario anhand des Schicksals der Familie Starck. Larry, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft, wird von der Geheimpolizei verhört und verschwindet spurlos. Seine Frau Eilish verliert ihren Job als Wissenschaftlerin und muss mit ihren vier Kindern und ihrem dementen Vater bald ums bloße Überleben kämpfen. Am Ende bleibt nur die lebensgefährliche Flucht ins benachbarte und sichere Nordirland, doch hier will man keine Flüchtlinge ... – Beklemmend in der Aussage und brillant in der Erzählstruktur entwickelt sich dieser mit dem Booker-Prize 2023 ausgezeichnete Roman zu einem bemerkenswerten Aufruf, Parteien mit autoritären Machtansprüchen an der Wahlurne eine Absage zu erteilen. Allen Büchereien dringend empfohlen.
Das Lied des Propheten
Paul Lynch ; aus dem Englischen von Eike Schönfeld
Klett-Cotta (2025)
310 Seiten
kt.