Das Ende vom Lied
Westberlin 1969: Der Ich-Erzähler ist zwölf, als er mit seiner Familie aus Charlottenburg in eine größere Wohnung nach Schöneberg zieht. Sein Vater war mit einer Beinprothese aus dem Krieg gekommen und arbeitet jetzt beim Straßenbahndepot. Die
Mutter ist noch traumatisiert von der Flucht, zusammen mit ihrer Mutter, weg von der Weichsel. Seine neuen Freunde werden die Jungs von der Straße, die er beim Boxkampf kennenlernt, den er zusammen mit seinem Vater besucht: Dieter „Körschi“ Korschakowski gegen Jürgen „Buschi“ Busch. Sie verkörpern zwei Straßengangs. Der Erzähler will aufs Gymnasium kommen und träumt von Alina, Körschis 14-jähriger Freundin, die unerreichbar für ihn ist. Das Ganze spielt sich vor der Kulisse des Kalten Krieges ab, vor einem stagnierenden Berlin, dessen Risse unter der Oberfläche sichtbar werden. Sogenannte Haschrebellen planen Gewaltanschläge gegen das System, doch die Jungsbanden nehmen das gar nicht wahr. – Der vielfach ausgezeichnete Autor Michael Wildenhain ist 1958 in Berlin geboren und bewegte sich in der Hausbesetzerszene, die er auch in früheren Romanen beschrieb. In seinem neuen Roman zeigt er ein vielschichtiges Gesellschaftsbild des Übergangs von der Nachkriegszeit zur zunehmenden Individualisierung. Sehr gerne empfohlen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Ende vom Lied
Michael Wildenhain
Klett-Cotta (2026)
407 Seiten
fest geb.