Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere

Die Erzählerin ist, wie die Autorin, in Bulgarien aufgewachsen und lebt seit 1991 mit ihrem Mann Sergej und Tochter Sophia in einem Mietshaus in Bremen. Mit ironischem Blick beschreibt sie ihren anfänglichen Kulturschock auf dem Spielplatz, wo sie Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere von den ungeschminkten und burschikos gekleideten deutschen Müttern für ihren "Balkan-Nutten-Look" misstrauisch beäugt wird. Gleichzeitig zweifelt sie, wenn bulgarische Besucher kommen, ob sie deren Ansprüchen gerecht werden wird. Sie sitzt also zwischen allen Stühlen. Zur Beerdigung des Vaters im August 1994 reist sie an die Schwarzmeerküste. Das gibt ihr Anlass, über ihr Leben nachzudenken. Zwei starke Frauen, ihre Großmutter Denka und die Schwiegermutter, unterstützen sie dabei. In Rückblicken wird die Situation im sozialistischen Bulgarien der 1980er Jahre anhand ihres Vaters geschildert. Er hatte als Chirurg ein Berufsverbot bekommen, weil er für lebensrettende Blutkonserven eine Unterschrift gefälscht hatte; später wurde er rehabilitiert, weil das heruntergewirtschaftete Krankenhaus ihn brauchte. - Das Romandebüt ist nicht ohne Klischees, allzu oft gibt sich die Protagonistin ihren "aufschäumenden Gefühlen" hin, doch wird gerade dadurch ihre innere Zerrissenheit zwischen ihrem Balkan-Temperament und dem der "kühlen" Norddeutschen zum Ausdruck gebracht.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere

Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere

Antonia Bontscheva
Frankfurter Verlagsanstalt (2021)

412 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 606087
ISBN 978-3-627-00290-9
9783627002909
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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