Pasteurgasse 4, täglich
Andrea Landfried (Jg. 1976) versammelt in ihrem Buch drei Geschichten über das weibliche Begehren. In der Titelgeschichte begegnet eine junge Gesangsstudentin der Fotografin Ruth. Bei ihren regelmäßigen Treffen löst die verheiratete Ruth ein Strömen
in ihrem Körper aus, „als flössen Milch und Honig durch meine Adern … anders als sexuelles Begehren, das auf etwas zusteuert“. Auch in der zweiten Geschichte lernt die Ich-Erzählerin, auf ihr Inneres zu hören. Sie ist verheiratet, doch etwas fehlt ihr zum absoluten Glück. Dieses „Ineinsgehen von Leib und Seele“ eröffnet ihr eine Alt-Hippie-Frau mit langen weißen Haaren, die sie in Kalifornien kennenlernt. In der dritten Geschichte ereignet sich für Sarah bei ihrer ersten Sitzung mit der Psychoanalytikerin Selberg, bei den sich kreuzenden Blicken im Spiegel, ein entscheidender Moment. Fortan schreibt Sarah ihr jede Woche einen Liebesbrief „von dem Tiefroten, Erdigen, das ihren Leib durchströmte, wenn sie an Frau Selberg dachte“ (S. 144). – Die drei sinnlichen Geschichten thematisieren mit ihrem erotischen Sichfallenlassen auch ein Aufbegehren gegen gesellschaftliche Rollenerwartungen. – Sehr gerne empfohlen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Pasteurgasse 4, täglich
Andrea Landfried
Frankfurter Verlagsanstalt (2023)
186 Seiten
fest geb.