Der Fall Miriam Behrmann
Philosophieprofessorin Miriam Behrmann fällt aus allen Wolken, als sie mit Missbrauchsvorwürfen von ihrer Doktorandin Selina Aksoy konfrontiert wird. Vor fünf Jahren war die ambitionierte Miriam mit ihrem Kollegen und Lebensgefährten Tom aus Princeton
nach Wien geholt und zur Institutsleiterin für experimentelle Philosophie berufen worden. Miriam soll nun unter Zeitdruck zu den Berichten über psychologischen Missbrauch Stellung nehmen und wankt unter Schweißausbrüchen in die Universitätskapelle, um sich zu sammeln. In Rückblenden rekapituliert sie, was Selina ihr vorwerfen könnte. Sie ist jetzt seit vier Jahren ihre Doktormutter. Selina wollte etwas über „Gerechtigkeit“ machen, hat aber nichts Genaues dazu gesagt. Miriam meinte, Selina komme nicht voran, wenn sie zwischendurch zu Demonstrationen nach Istanbul fahre. Doch Selinas Ansatz spitzt sich zu, als sie Miriam vorwirft, sie habe kein Verständnis für die Schwierigkeiten von Menschen aus benachteiligten Familien ohne akademische Erfahrung. - Autorin Lydia Lewitsch ist mit ihrem Debütroman am Zahn der Zeit mit ihren immer emotionaler geführten identitätspolitischen Debatten, gerade an Universitäten. Sie erzählt aus der Perspektive von Miriam, lässt dabei aber offen, wer im Recht oder im Unrecht ist.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Fall Miriam Behrmann
Lydia Lewitsch
Frankfurter Verlagsanstalt (2024)
249 Seiten
fest geb.