Ein unbeschreibliches Gefühl
"Wenn das, was man bisher als Hauptwerke abendländischer Tradition ansah, fast durchwegs die Produkte einer speziellen Gruppe von Individuen waren, nämlich wohlhabenden, weißen europäischen und nordamerikanischen Männern, wie repräsentativ sind
dann ihre Ansprüche, wie umfassend ihre Botschaft und wie unvoreingenommen ihre Sicht?" Diese Frage Seyla Benhabibs hat sich die Autorin dieses Bandes leider nicht gestellt. So ist das Thema zwar reizvoll: Wie ist die Liebe durch die verschiedenen Zeiten und Schulen hindurch philosophisch gefasst worden? Das erörtern kurze Kapitel, die Lebens- und Liebensumstände und die daraus erwachsenen Überlegungen der jeweiligen Philosophen vorstellen. Die Auswahl ist jedoch so wenig überraschend, dass es enttäuschend ist - bis auf das Einstiegskapitel aus der indischen Mythologie wird der scheinbar festzementierte Kanon größtenteils europäischer Philosophie einmal mehr fort- und festgeschrieben, als gäbe es vor dem 20. Jahrhundert tatsächlich keine weniger ausgetretenen Pfade historisch-philosophischer Forschung neben Platon und Aristoteles, Augustinus und Thomas, Voltaire, Kant, Schelling oder Hegel. Angenehm zu lesen ist es dennoch, gut verständlich auch für Leser, die mit philosophischen Texten nicht vertraut sind. Daher trotz der erwähnten Beschränkung für größere Bestände empfehlenswert.
Annette Jantzen
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein unbeschreibliches Gefühl
Christiane Schlüter
Pattloch (2011)
235 S. : Ill.
fest geb.