Gleis 4

Eigentlich war Isabelle auf dem Weg in den Urlaub, aber der freundliche ältere Herr, der ihren Koffer die Treppen zum Bahnsteig hinaufträgt, bricht vor ihren Füßen tot zusammen. Sein letzter, bittender Blick lässt sie nicht zur Ruhe kommen und Gleis 4 sie beginnt zu recherchieren, wer dieser Mann, der ohne Papiere aufgefunden wird, wirklich war. Dabei kommt sie einer Lebensgeschichte auf die Spur, die ihren bitteren Anfang in der verkrusteten und von Vorurteilen geprägten schweizerischen Gesellschaft der 50er Jahre nahm. Welches Geheimnis nahm der nette Herr aus Kanada mit ins Grab? - Auch so kann Spannung entstehen, gemächlich, aber stetig wachsend. Franz Hohler, der Grandseigneur der Schweizer Literatur, nimmt eine relativ alltägliche Situation zum Ausgangspunkt einer Geschichte, die in einer unglaublichen Entdeckung gipfelt. Isabelle, ihre studierende Tochter Sarah und die aus Kanada angereiste Witwe des Verstorbenen begeben sich in der Schweiz auf Spurensuche und decken mit Beharrlichkeit, viel Geduld mit den Schweizer Behörden und einer Portion Zufallsglück eine Begebenheit auf, die viele Jahre mit dem Mäntelchen des Schweigens bedeckt war. Für diese Geschichte nimmt Hohler sich Zeit, beobachtet fein, detailliert und fesselt doch zunehmend. Ein Schwyzer Leckerli und für größere Bestände ein Gewinn!

Beate Mainka

Beate Mainka

rezensiert für den Borromäusverein.

Gleis 4

Gleis 4

Franz Hohler
Luchterhand (2013)

219 S.
fest geb.

MedienNr.: 575422
ISBN 978-3-630-87420-3
9783630874203
ca. 17,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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