Der Flug nach Marseille
Die junge Ärztin Julie Landauer kommt durch die Revolutionswirren 1919 in Kontakt mit Nina Kupfer, die an Diabetes erkrankt ist. Rettung bieten ihr nur die Forschungen eines französischen Arztes. Dank Landauers Kontakten zur obersten bayerischen
Polizeiebene kann die Todkranke nach Marseille geflogen werden. Ihr Mann Karl, ein Journalist, begleitet sie. Er ist fasziniert von der jungen Münchner Ärztin. Die Behandlung mit Insulin schlägt an, doch Nina entfremdet sich genesend immer mehr von Karl. Er kehrt nach München zurück und findet ein kurzes Glück mit Julie Landauer. Doch zurück in Marseille steht er nicht nur vor dem Scherbenhaufen seiner Ehe, sondern erkrankt zudem an der Spanischen Grippe. - Durch den Kniff, dass die Klinikärztin aus demselben Ort stammt wie der stellvertretende Polizeichef, lässt der Autor die Protagonistin etliche markante Ereignisse der Räterepublik aus nächster Nähe erleben, ohne dass es aufgesetzt wirkt. In die anrührende Liebesgeschichte packt er zudem den Wendepunkt in der Bekämpfung der Diabetes, eine bis dahin unweigerlich zum Tode führende Erkrankung. Der Roman ist menschlich anrührend und zugleich unaufdringlich informativ. Für ein breites Publikum.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Flug nach Marseille
Michael Wallner
Luchterhand (2016)
254 S.
fest geb.