Verfehlte Mission
Die von der israelischen Historikerin Yfaat Weiss detailliert und kenntnisreich erarbeitete Studie zeigt "die Entwicklung und Umsetzung der israelischen Konzeption von Souveränität am geopolitischen Ausnahmefall der Exklave auf dem Jerusalemer Skopusberg."
Jerusalem, die Stadt, auf die Judentum, Christentum und Islam Anspruch erheben, sollte – wie bei der Staatsgründung Israels vorgesehen – unter den Schutz und die Aufsicht der Vereinten Nationen gestellt werden, doch der israelisch-arabische Krieg (1948) vereitelte dies, sodass die Stadt in einen westlichen, von Israel, und in einen östlichen, von Jordanien kontrollierten Sektor aufgeteilt wurde – mit einer Ausnahme: die 2 qkm große entmilitarisierte Exklave auf dem Skopusberg, die unter der Schirmherrschaft der UNO stand. Die von der Autorin ausführlich nachgezeichnete Geschichte dieses Berges steht beispielhaft für die Strategie des Staates Israel, das 1948 bei der Staatsgründung zugesprochene Gebiet zu vergrößern, was ja auch an den zahlreichen Auseinandersetzungen mit den angrenzenden Ländern in der Vergangenheit und Gegenwart deutlich wird. Bereits vor der Staatsgründung wurden auf dem Skopusberg bedeutende Einrichtungen begründet: so wurde 1907 der Grundstein für das Auguste-Viktoria-Hospital gelegt, 1925 die Hebräische Universität gegründet, 1927 der War Cemetary für Gefallene aus Großbritannien, Australien und Neuseeland gestaltet, 1930 die Nationalbibliothek errichtet und 1934 das bedeutende Hadassah Krankenhaus eröffnet. Doch die Situation der in der Exklave eingeschlossenen Institutionen führte durchwegs zu Spannungen zwischen Israel, Jordanien und den Kontrollgremien der UN. Obwohl der von Israel siegreich beendete Sechstagekrieg (1967) den Exklave-Status auf dem Skopusberg beendete und Israel seine territorialen Interessen gegen Ägypten, Syrien und Jordanien durchsetzen konnte, wurde das Ziel der Ausweitung des Staatsgebiets weiterverfolgt – nicht nur militärisch, sondern auch durch eine gezielte Siedlungspolitik. Ein hochinteressantes, jedoch spezielles Thema! Nur für große Bestände mit geschichtlich interessiertem Leserkreis!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Verfehlte Mission
Yfaat Weiss ; aus dem Hebräischen von Jan Eike Dunkhase
Jüdischer Verlag (2025)
474 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.