Caravaggio
Milo Manara (*1945) ist ein hochtalentierter italienischer Comiczeichner, der für seine gleichermaßen realistischen wie auch erotische Szenen nicht aussparenden Comics berühmt ist. In diesem Zweiteiler folgt er den Spuren Caravaggios, der 1592 als
zunächst völlig mittelloser junger Maler nach Rom kommt und dem es bald gelingt, durch seine ausdrucksstarken und von hohem Realismus geprägten, geschickt Hell-Dunkel-Effekte nutzenden Genrebilder in einem erdigen und düsteren Kolorit Ruhm und Bekanntheit bis in die höchsten Kreise der römischen Kurie zu erlangen. Doch immer wieder gerät er mit seinem schwermütigen und aufbrausenden Temperament in teils gewalttätige Streitigkeiten. 1606 muss er nach dem Mord an einem Widersacher Hals über Kopf aus Rom fliehen, da der päpstliche Bann über ihn verhängt wird. Seine letzten vier Lebensjahre, in denen er weiterhin künstlerische Meisterwerke schafft, werden für ihn zu einer Odyssee durch Süditalien und Malta, stets getragen von der Hoffnung, vom Papst begnadigt nach Rom zurückkehren zu können. – Manara nutzt für diese biografische Skizze erzählerische und künstlerische Freiheiten und führt uns auf die Straßen, in die Tavernen und Häuser eines morbiden, verruchten und vielfach auch sexuell freizügigen Roms und anderer Orte um 1600. Immer wieder zeigt er, wie dabei wichtige Werke Caravaggios entstehen: Dieser sucht das Personal für seine Bilder buchstäblich auf der Straße und lässt in seinen Gemälden z.B. Dirnen für biblische Personen Modell stehen. Dem Comiczeichner Manara ist mit seiner Graphic Novel so selbst ein Kunstwerk gelungen, an dessen manchmal schonungslos realistischen Bildschöpfungen Lesende mit rigiden Moralvorstellungen Anstoß nehmen könnten. Das sollte Büchereien aber nicht davon abhalten, dieses Werk im Erwachsenenbestand anzubieten.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Caravaggio
Milo Manara ; aus dem Italienischen von Michael Bregel
Splitter (2025)
135 Seiten : farbig
fest geb.