Die Kinder des Kaiserreichs - 1
Arisa Jo, Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns, und Jun Seomoon, Halbwaise, arm, aber mit adliger Abstammung, der von Arisas Vater gemeinsam mit seiner Mutter aufgenommen wurde, stehen für die gesellschaftliche Spaltung Koreas unter japanischer Besatzung.
Diese wollte die koreanische Identität auslöschen und die Bevölkerung einer westlichen Orientierung zuführen. Arisa Jo scheint mit ihren schmalen Augenbrauen, ihrer Kurzhaarfrisur, der westlichen Kleidung und ihrem unangepassten Auftreten dem Bild des modernen Koreas zu entsprechen. Jun Seomoon hingegen hält zunächst an den Traditionen fest und reagiert mit Unverständnis auf Arisa, was zu kleinen Auseinandersetzungen führt. Andererseits kann er sich den Annehmlichkeiten der neuen Zeit nicht entziehen. So bricht er mit seinen Wertvorstellungen, um Arisa näher zu sein und mit ihr auszugehen. Der Szene im Restaurant kommt eine Art Schlüsselfunktion zu, die verdeutlicht, wie Sprache und Kultur Koreas unterdrückt werden und englischer und japanischer Sprache und Ernährungsweise weichen müssen. Gleichzeitig wird die ärmere Bevölkerung, durch Jun Seomoons Mutter verkörpert, unterdrückt. Sie wird wie eine Bedienstete untergebracht. – Anmerkungen zu Wortbedeutungen in Fußnoten werden durch weitere Erläuterungen am Ende der Kapitel zu Sprache, Kultur und Geschichte Koreas gut ergänzt. Yudori setzt Dinge, Personen oder Situationen teils sehr detailliert und aussagekräftig in unterschiedlich großen Panels in Szene. Die Mimik der Personen in Auseinandersetzungen scheint oftmals etwas übertrieben, insgesamt ist die zeichnerische und erzählerische Darstellung jedoch ansprechend. Für ausgebaute Bestände gut einsetzbar.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Kinder des Kaiserreichs - 1
von Yudori ; aus dem Koreanischen von Alice Craciun
Splitter-Verlag (2025)
Die Kinder des Kaiserreichs ; 1
[unpaginiert] : farbig
kt.