Nur die Laute der Vögel

Luca gönnt sich sechs Monate Auszeit auf einer Insel vor Grado im Golf von Venedig. Der 37-Jährige verlor früh seine offensichtlich depressive Mutter durch Selbstmord. Der Vater, Cellist in zweiter Generation, sieht seine Erziehungsaufgabe darin, Nur die Laute der Vögel aus dem einzigen Sohn ebenfalls einen erfolgreichen Cellisten zu machen. Daneben ist er beruflich unterwegs und sinnt dem Andenken an die in einer Urne im Wohnzimmer immer anwesenden Verstorbenen nach. Eine Bekannte der Mutter, die Nonna, sorgt für Leib und Seele Lucas. Von ihr nimmt er an, wogegen er sich beim Vater zur Wehr setzt. Vom verordneten Cello hat er sich zum international auftretenden Gambenspieler emanzipiert. Bis ihn nach Unrast und Pandemie Schmerzen in der linken Hand zur Pause zwingen. Auf der Insel sind nur zwei Katzen, die Natur und die Vögel. Die Nonna hat ihm das alte Fernglas seiner Mutter ins Reisegepäck gesteckt. Durch dessen Linsen sieht er seine neue Welt an und in sich hinein. Vom Festland wird er mit Lebensmitteln und Briefpost versorgt. Wenige Unterbrechungen durch Besuche auf dem Festland und durch ihm Nahestehende lassen ihn den Bezug zur Realität nicht verlieren. Und er kann es annehmen, dass durch den Vater seine von diesem geschmähte Gambe auf die Insel kommt. – In einer entspannenden und gleichzeitig packenden Sprache lässt Ursula Wiegele die Lesenden an einem Genesungsprozess teilhaben, sich in eigene Lebensreflexionen verlieren und selbst zur Ruhe finden. Sehr empfohlen.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Nur die Laute der Vögel

Nur die Laute der Vögel

Ursula Wiegele
Otto Müller Verlag (2026)

153 Seiten : Illustrationen
fest geb.

MedienNr.: 755646
ISBN 978-3-7013-1341-9
9783701313419
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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