Liebe macht blind - manche bleiben es
In vielen, kaum mehr als eine Seite umfassenden Kapiteln setzt sich die Altmeisterin der österreichischen Kinderliteratur mit vielen alltäglichen Situationen auseinander. Manches klingt vorerst recht hausbacken, bekommt dann aber einen überraschenden,
sogar mit einer Prise schwarzen Humors gewürzten Schluss. Vor allem wenn es ums Thema Ehe und Ehekrisen geht. Ganz besonders nimmt Nöstlinger angeblich gar so humorvolle Zeitgenossen aufs Korn, während die geborenen Miesmacher von ihr gewissermaßen ausgelacht werden. Nicht jedes Beispiel stammt aus jüngster Zeit, aber es soll ja einiges daran sein, dass sich menschliche Typen weniger ändern als der Zeitgeist. Wenn man das Buch eben nicht als Ratgeber versteht, wird man manche Situationskomik entdecken. Und ein befreiendes Gelächter soll ja manchmal auch ein guter Rat sein.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Liebe macht blind - manche bleiben es
Christine Nöstlinger
Residenz-Verl. (2012)
225 S.
fest geb.