Aussichten sind überschätzt
Luise, schlecht bezahlte Sprachtrainerin ohne Aufstiegschancen, nutzt die Möglichkeit, trotz ihrer Flugangst, einen Workshop für Kreatives Schreiben in Mexiko zu besuchen. Die Reiseerzählung bildet den Rahmen, die junge Frau, ihr Leben und ihr Umfeld
in einem inneren Monolog ausführlich kennenzulernen. Dort angekommen ersteht sie auf einem Markt eine alte Tonwalze aus ihrer Wiener Heimat und bringt sie ihrem Freund Emil, einem Tonarchivar, mit nach Hause. Somit wäre das Motiv des Hörens und Zuhörens, das sich durch den Erstlingsroman von Rosemarie Poiarkov zieht, materialisiert. Assoziativ verknüpft die Autorin mehrere Geschichten, die sich um die Hauptprotagonistin Luise weben. So liebt und leidet ihr bester Freund Milan, kämpft die beste Freundin mit dem Tod der Mutter oder versucht Luises Vater, die Schatten der Vergangenheit zu bewältigen. Deutlich wird das Profil der Über-30-Jährigen, welches das einer "Generation Praktikum" ist, die nach dem Studium schlecht bezahlten Jobs und einer schemenhaften Zukunft gegenübersteht. - Stilistisch unaufgeregt, ohne Spannung, aber mit nicht nachlassender Anspannung erzählt Poiarkov von der Welt in einem, wie sie selbst sagt, zarten Realismus. Für Leser/innen von Generationen-Romanen.
Aussichten sind überschätzt
Rosemarie Poiarkov
Residenz (2017)
271 S.
fest geb.