Verteidigung eines Gartens
Mariannes Mann ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, möglicherweise durch Selbstmord. Ohne das Wissen seiner Frau verspielte er ihr gesamtes Vermögen, einschließlich seines Bäckereibetriebs. Weil die Lebensversicherung bei Selbstmord nicht
zahlen will, bleibt der desillusionierten Frau, mitten im Winter, als Wohnmöglichkeit nur ihre Laube im Schrebergarten. Auch wenn ein ständiges Bewohnen dort verboten ist, ist sie nicht allein auf dem Gelände. Richard hat mit dem bürgerlichen Leben abgeschlossen und sich in seine Hütte zurückgezogen. Dann gibt es noch Didi. Sie hat keine Lust mehr bei ihrer von Alkohol und unguten Männerbeziehungen abhängigen Mutter zu leben, geht aber wenigstens noch zur Schule. Sie wird schnell zu einer echten Freundin der deutlich älteren Marianne. Gregor, der Vorsitzende des Kleingartenvereins, drückt bei dieser kleinen verschworenen Gemeinschaft ein Auge zu, da das Gelände sowieso bald einem Bauvorhaben weichen muss. Marianne steckt in einem Teufelskreis fest. Sie hat keine Meldeadresse, deshalb kein Bankkonto und bekommt so auch kein Arbeitslosengeld. Als sie bei einem Discounter Regale einräumen darf, begegnet ihr dort Grete, eine Freundin aus besseren Tagen. Vieles, was nicht bekannt werden sollte, kommt nun ans Licht. Mike, der gewalttätige Liebhaber von Didis Mutter, ist ihrer überdrüssig und will sich dafür jetzt das junge Mädchen schnappen. Dann aber bricht ein Damm am nahegelegenen Fluss. Das Hochwasser flutet die Gartenanlage und verändert alles. – Ein Roman, dem es gelingt, ohne falsches Mitleid erwecken zu wollen, mit einer gehörigen Portion sarkastischen Humors das Leben seiner Protagonisten von deren Schattenseiten her zu beschreiben. Empfehlenswert!
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Verteidigung eines Gartens
Christina Walker
Residenz Verlag (2026)
291 Seiten
fest geb.