"Ladies and Gentlemen, das ist ein Überfall!"
Bonnie und Clyde sind als unzertrennliches Gangster-Pärchen spätestens seit dem Film mit Warren Beatty und Fay Dunawaye in den Titelrollen ein Mythos. Sie zogen während der Jahre der Wirtschaftskrise von 1932 bis 1934 eine Spur des Verbrechens quer
durch Texas und den Mittleren Westen der USA. Sie überfielen mit wechselnden Kumpanen Läden, Banken und Tankstellen. Insbesondere Clyde Barrow machte dabei rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch, wenn er sich bedroht fühlte. Das Verdienst der Historikerin Michaela Karl ist es, der Geschichte von Bonnie und Clyde jedwede romantisierende Seite zu nehmen und stattdessen ihre Leben zeithistorisch zwischen den "Roaring Twenties", der großen Depression und dem New Deal zu verorten. Sie erzählt ungeschönt über den brutalen Strafvollzug, das soziale Elend der Farmer, die chancenlose Unterschicht in den Slums der Großstädte und vom Aufbau des allmächtigen FBI. Ohne die Taten des Paares zu entschuldigen, versucht die Autorin doch, ihren Weg zu erklären, der sie in die Rolle von sozialen Rebellen trieb. Es entsteht dabei auch ein neuer Blick auf die Geschichte der USA. - Spannende Lektüre für historisch interessierte Leser.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
"Ladies and Gentlemen, das ist ein Überfall!"
Michaela Karl
Residenz-Verl. (2013)
301, [8] S. : Ill.
fest geb.