Gute Gründe für ein Leben in der Kirche
"Kirche, das ist mehr als eine Botschaft, es ist eine Lebensmöglichkeit." Die Behauptung von Bernhard Körner hört sich gut an, aber ist sie auch tragfähig angesichts der Kirchenkrise? Körner schreibt gegen den großen Frust unter den Katholiken
an, der sich ausbreitet wie eine Grippeepidemie, und erinnert seine Leser/innen an das, was Kirche ausmacht und worauf es ankommt: Sie ist die Botschafterin Gottes in dieser Welt. Ihr Auftrag besteht in der Verbreitung des Evangeliums, also der Zusage, dass Jesus in seinem Tod und seiner Auferstehung das Tor zu Gott geöffnet hat und "dass wir im Wissen um Gottes unverbrüchliche Liebe selbst Liebe riskieren können - auch dort, wo es menschlich schon fast verrückt ist." Diese positive Sicht auf Kirche verstellt Körner keineswegs den klaren Blick auf die Schwierigkeiten, mit denen jeder Christ und die Kirche als Ganzes zu kämpfen haben. Sein Buch beginnt daher mit einer knappen Situationsanalyse, in der er die wichtigsten Probleme wenigstens kurz skizziert. Doch dabei bleibt er nicht stehen, sondern sucht nach Auswegen. Angesichts der oft hohen Erwartungen an die Kirche fordert er mehr Realismus. Gott habe die Kirche den Menschen mit ihren Grenzen anvertraut. Trotzdem sei sie heilig, denn ihre Heiligkeit stamme von Gott. Deshalb dürfe man sich vom menschlichen Makel nicht den Blick verstellen auf das, was an Kirche lebendig und wertvoll ist. Als Konsequenz seiner Überlegungen fordert er einen Perspektivwechsel. Die Kirche dürfe nicht länger negativ von der Welt von heute denken, sie verurteilen und abwerten. Mit Johannes XXIII. sagt er: "Es geht darum, die Menschen so zu sehen, wie Gott sie sieht. Und ihnen zu begegnen, wie Gott ihnen durch Jesus begegnet ist." - Ein herausforderndes Programm und ein Buch, das den Kopf frei macht, sich für dieses Programm einzusetzen. (Religiöses Buch des Monats April)
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Gute Gründe für ein Leben in der Kirche
Bernhard Körner
Tyrolia-Verl. (2012)
172 S.
kt.
Auszeichnung: Religiöses Buch des Monats