Amani, das Hirtenmädchen
Amani lebt mit ihrer Familie im Westjordanland. Obwohl sie ein Mädchen ist, nimmt sie der Großvater in die Lehre und macht sie zu seiner Nachfolgerin, als er stirbt. Voller Enthusiasmus und mit großem Geschick meistert sie ihre Aufgabe. Doch sie
muss erleben, wie israelische Siedler ihnen immer mehr die Lebensgrundlage entziehen. Die uralten Olivenbäume werden für eine Autobahn gerodet, eine Mauer trennt sie vom besten Weidegrund, Gift tötet ihre Herde. Und sie erlebt unterschiedliche palästinensische Antworten: Der Bruder will mit Gewalt gegen die Siedler kämpfen, der Vater hat einen Rabbi zum Freund und wird von christlichen Friedensaktivisten unterstützt. Doch am Ende wird sie das Tal verlassen. - Ohne zu beschönigen schildert das Buch die Folgen israelischer Siedlungspolitik, die Schikanen und Versuche, den Menschen die Würde zu nehmen. Doch es zeigt auch, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist. Ein Siedlerjunge schämt sich und verlässt seine Familie, rechtsstaatlicher und friedlicher Widerstand ist nicht ganz erfolglos. Neben der differenzierten Schilderung des Konflikts glänzt das Buch auch mit atmosphärisch eindrucksvollen Darstellungen des Lebens mit der Natur und in der Großfamilie. Schade nur, dass das Cover so wenig ansprechend ist. - Ein herausragendes Buch, sowohl inhaltlich wie stilistisch, aber wohl eher ab mittleren Beständen.
Astrid Frey
rezensiert für den Borromäusverein.
Amani, das Hirtenmädchen
Anne Laurel Carter
Jungbrunnen (2011)
159 S.
fest geb.