Anatomie eines Soldaten
Ein Stützpunkt der britischen Armee in einem nicht näher bezeichneten Land mit beharrlichen inneren Konflikten. Aufständische kämpfen mit Sprengfallen gegen die "Ungläubigen", die die Bevölkerung vor terroristischen islamistischen Milizen schützen
sollen. Als Captain Tom Barnes einen gefährlichen Einsatz leitet, tritt er auf eine Mine und verliert ein Bein. Schwerverletzt wird er zurück nach Großbritannien geflogen. Die Ärzte kämpfen um sein Leben, auch das zweite Bein wird amputiert. Aber der Captain gewinnt den anfangs fast aussichtslosen Kampf. Er bekommt Prothesen, lernt mühsam damit zu gehen und ist zurück im Leben. Die Geschichte wird aus einer äußerst ungewöhnlichen Perspektive erzählt, nämlich aus der Sicht von 45 Gegenständen, die den Weg des Protagonisten kreuzen. In einem Kapitel erzählt eine Handtasche, wie die Mutter von Tom Barnes darüber informiert wird, dass ihr Sohn lebensgefährlich verletzt wurde. In einem anderen Kapitel beschreibt ein Sauerstoffschlauch, wie der Schwerverletzte um sein Leben kämpft und wie dieser in der Wüstendämmerung zusammen mit anderen Verletzten in ein Flugzeug verladen und in einem Krankenhaus operiert wird. - Der Autor, der selbst in Afghanistan und im Irak bei der britischen Armee diente und beide Beine verlor, als er auf eine Mine trat, weiß, wovon er schreibt. Er schafft es ohne jegliches Pathos in brillanter Art und Weise drastisch, manchmal auch verstörend, die Schrecken des Krieges vor Augen zu führen und Fragen dazu aufzuwerfen. Der beeindruckende Roman ist spannend, aufwühlend und sehr lesenswert. (Übers.: Johannes Sabinski)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Anatomie eines Soldaten
Harry Parker
Benevento (2016)
351 S.
fest geb.