Weil es nicht anders sein kann
Die Geschichte ist so alt wie die Menschheit selbst: Eine junge Frau und ein junger Mann verlieben sich ineinander. Bei beiden handelt es sich um verletzte Seelen, die sehr unzufrieden sind mit ihrer derzeitigen Lebenssituation. Addie leidet unter
ihrer besitzergreifenden Mutter, für die sie seit Jahren unentgeltlich in einem Retreat auf einer abgelegenen britischen Insel arbeitet. Sol versucht, die Trauer über den Tod seiner Mutter und das schwierige Verhältnis zu seinem Vater durch Exerzitien auf der Nachbarinsel zu verarbeiten. Die jungen Leute fühlen sich sofort zueinander hingezogen, aber weil sie beide sehr schüchtern und unerfahren sind, nähern sie sich einander nur langsam an. Selbst als sie endlich zusammen sind, dauert es noch sehr lange, bis sie sich vollständig aufeinander einlassen können. – Als Leser fühlt man sich ein bisschen wie beim Beobachten der scheuen Wildtiere, die in diesem Roman eine zentrale Rolle spielen: So wie Addie und Sol täglich das Leben von Papageientauchern und Kranichvögeln studieren, verfolgt man mit Spannung und Herzklopfen die verlegenen Annäherungsversuche der beiden Protagonisten. Ein zarter, naturverbundener Roman, der sich langsam entwickelt und mit seinem wunderschönen, einfühlsamen Schreibstil viele Emotionen weckt.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Weil es nicht anders sein kann
Joanna Glen ; aus dem Englischen von Eva Kemper
Arche (2025)
489 Seiten : Illustrationen
fest geb.