Das Mädchen, das rückwärts ging
Carmels Vater hat sich von seiner Frau getrennt; das als eigenwillig beschriebene Mädchen bleibt bei der Mutter, die sich in dieser schwierigen Situation besonders um die Achtjährige kümmern will. Gemeinsam machen sie Ausflüge. Bei einem Irrgartenbesuch
befällt die Mutter große Verlustangst, während das Kind es genießt, sich zu verbergen. Ähnlich scheint es bei einem Märchenfestival abzulaufen. Doch auch am Ende der Veranstaltung bleibt das Mädchen verschwunden. Eine intensive Suche beginnt. Erfolglos. Das Leben der Mutter wird dadurch von Grund auf umgekrempelt. Das Mädchen wurde von ihrem Großvater, einem Sektenprediger, entführt und lebt mit ihm in den USA, immer im Glauben, seine Mutter sei bei einem Unfall ums Leben gekommen. - Von Anfang an stellt die Autorin jedes Erlebnis, jeden Tag aus beiden Perspektiven dar. Liegen die Ereignisse zu Beginn ganz dicht beieinander, werden mit der Zeit - es werden Jahre - die Abstände immer größer. Ziemlich schnell erfährt dabei der Leser, dass beider Sichtweisen nur unzureichende Ausschnitte des tatsächlichen Geschehens abbilden. Die Beschreibungen der Situationen erwecken immer wieder eine gewisse Beklemmung, auch beim Leser. Auch wenn der Plot ungewöhnlich wirkt, da alle Spuren sich im Nichts verlieren, sollte man sich daran erinnern, dass die Zahl der nie geklärten Vermisstenfälle auch in Deutschland nicht unbeträchtlich ist.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Mädchen, das rückwärts ging
Kate Hamer
Arche (2015)
416 S.
kt.