Himbeeren mit Sahne im Ritz
Zelda Fitzgeralds Erzählungen bevölkern glamouröse Partygirls, sehnsuchtsvolle Südstaatenmädchen und andere charismatische Frauenpersönlichkeiten, jeweils von einem beiläufig anwesenden Erzähler beobachtet, der sie in einem runden Ausschnitt
aus der Wirklichkeit hervorhebt und in wenigen Szenen ihr ganzes Leben erzählt. Die Geschichten sind - bis auf die letzte erst nach ihrem Tod veröffentlichte, zwischen 1925 und 1932 in verschiedenen Zeitschriften erschienen. Die meisten firmierten, wohl aus finanziellen Erwägungen, unter der doppelten Autorschaft von F. Scott und Zelda Fitzgerald. Sie galten als die Galionsfiguren des Jazz Age, und Scott Fitzgerald war seit seinem Roman "Der Große Gatsby" eine Berühmtheit. Wie Felicitas von Lovenberg in ihrem Nachwort anmerkt, galt Zelda als seine Muse. Die Themen und Motive ihrer Werke ähnelten sich zwar, doch die Perspektive dieser Geschichten sei eine dezidiert weibliche; die Handlung sei nur eine Kulisse für die Figuren, und Zelda probiere in ihnen verschiedene weibliche Identitäten aus. - Wer sich zurückversetzen lassen will in die Welt der Roaring Twenties mit seinen selbstbewussten Frauen, die doch alle auch gebrochene Charaktere sind, ist bei diesem Erzählungsband richtig. (Übers.: Eva Bonné)
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Himbeeren mit Sahne im Ritz
Zelda Fitzgerald
Manesse Verl. (2016)
215 S.
fest geb.